Postkarte von der Aero Engines Americas 2026 aus Tampa, Florida

Um die aktuellsten Trends in den verschiedenen Branchen unserer Unternehmensbeteiligungen genau zu verfolgen, nehmen wir regelmäßig an Industriekonferenzen und Messen auf der ganzen Welt teil. Vor dem Hintergrund unserer inzwischen seit rund zehn Jahren bestehenden Beteiligung am Münchner Flugzeugtriebwerkbauer MTU Aero Engines besuchten wir Anfang Februar die Aero Engines Americas Konferenz in Tampa, Florida.

Aero Engines Americas in Tampa, Florida. Quelle: ProfitlichSchmidlin AG.

Die gewonnenen Erkenntnisse bestätigen unsere Einschätzung hinsichtlich der gegenwärtig sehr hohen Nachfrage nach Flugzeugtriebwerken, deren Ersatzteilen sowie den dazugehörigen Wartungsdienstleistungen. Obwohl die weltweiten Passagierzahlen inzwischen das Niveau vor der Corona-Pandemie übertroffen haben, liefern Airbus und Boeing aufgrund von Problemen in den Lieferketten immer noch zu wenige Flugzeuge aus, um die hohe Nachfrage zu befriedigen.

Aus diesem Grund müssen die Airlines ihre alten Flugzeuge und die dazugehörigen Triebwerke auf absehbare Zeit länger betreiben als geplant. Es ist wenig überraschend, dass die Wartung und Instandhaltung älterer Flugzeuge aufwändiger und teurer ist als die neuer Triebwerke. Entsprechend befeuern die alternden Flugzeugflotten die Nachfrage nach Wartungsdienstleistungen und Ersatzteilen. Das Geschäft brummt aktuell. Auf der Aero-Engines-Messe in Florida wurde zudem deutlich, dass weiterer Rückenwind aus einer völlig unerwarteten Ecke kommt: von AI-Datencentern.

AI-Datencenter als zusätzlicher Wachstumstreiber?

Die rasante Expansion von Datencentern wird aktuell durch die begrenzte Verfügbarkeit von ausreichend Strom über das Netz limitiert. Datencenter-Betreiber errichten daher vermehrt eigene Gaskraftwerke, um ihre Stromversorgung sicherzustellen. Zentraler Bestandteil dieser Kraftwerke sind industrielle Gasturbinen, die zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Industrielle Gasturbinen weisen große Ähnlichkeiten zu Flugzeugtriebwerken auf. Tatsächlich sind viele industrielle Gasturbinen direkte Derivate ihrer am Flugzeugflügel eingesetzten „Cousinen“.

Links: Flugzeugtriebwerk, Rechts: Industriegasturbine. Quelle: ProfitlichSchmidlin AG.

Die hochkomplexen Turbinenschaufeln („Blades“ und „Vanes“) sind der Dreh- und Angelpunkt beider Turbinen. Zwar werden diese in den beiden Anwendungsgebieten von unterschiedlichen Herstellern produziert: auf dem Gebiet der Flugzeugtriebwerke von Pratt & Whitney/MTU, GE, Safran und Rolly Royce, bei den industriellen Gasturbinen von Siemens Energy, GE Vernova und Mitsubishi Heavy Industries, jedoch greifen die Unternehmen auf dieselbe Lieferkette zurück. Insbesondere die Kapazitäten für hochpräzise Guss- und Schmiedeverfahren, dem sogenannten Casting und Forging, sind aktuell vollständig ausgelastet. Nur wenige Anbieter weltweit beherrschen die Herstellung einkristalliner, hochtemperaturfester Superlegierungen in industriellem Maßstab. In einem aktuellen Interview geht Elon Musk im Hinblick auf die Datencenter-Expansion von xAI auf dieses Thema ein:

Elon Musk: Right. But it begs the question of where do you get the power plants from? The power plant makers.

John Collison: Oh, I see what you’re saying. Is this the gas turbine backlog basically?

Elon Musk: Yes. You can drill down to a level further. It’s the vanes and blades in the turbines that are the limiting factor because it’s a very specialized process to cast the blades and vanes in the turbines.

Und selbst Elon Musk kann diese Bauteile nicht selbst herstellen.

Elon Musk: Again, try doing it and then you’ll see. The turbines are sold out through 2030.

John Collison: Have you guys considered making your own?

Elon Musk: In order to bring enough power online, I think SpaceX and Tesla will probably have to make the turbine blades, the vanes and blades, internally.

John Collison: But just the blades or the turbines?

Elon Musk: The limiting factor… you can get everything except the blades. They call them blades and vanes. You can get that 12 to 18 months before the vanes and blades. The limiting factor is the vanes and blades. There are only three casting companies in the world that make these, and they’re massively backlogged.

Dies hat zur Folge, dass Industriegasturbinen bis ins nächste Jahrzehnt ausverkauft sind. Ein direkter Profiteur dieser Entwicklung ist beispielsweise Siemens Energy. Die Aktie des führenden Anbieters von industriellen Gasturbinen hat sich innerhalb von zwei Jahren von einem Tief von 7 € auf heute über 150 € mehr als verzwanzigfacht. Das Unternehmen wird aktuell mit rund 130 Milliarden € bewertet.

Was hat das alles mit Flugzeugtriebwerken zu tun?

Da Flugzeugtriebwerke und Industriegasturbinen die gleiche Lieferkette nutzen, verstärkt die aktuell hohe Nachfrage nach Industriegasturbinen die ohnehin bereits angespannte Situation der Hersteller von Flugzeugtriebwerken zusätzlich. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass dies ein Problem für MTU wäre, doch das Gegenteil ist der Fall. Da ältere Triebwerke nun länger geflogen werden, ziehen die Nachfrage und die Preise für Ersatzteile und Wartungsdienstleistungen weiter an.

MTU Aero Engines ist nicht nur einer der führenden Anbieter von Flugzeugtriebwerken (und deren Ersatzteilen), sondern auch der größte unabhängige Wartungsdienstleister für eigene und externe Triebwerke. Dieses Geschäft verzeichnete in den letzten zehn Jahren trotz des Einflusses der Corona-Pandemie einen durchschnittlichen Umsatzanstieg von 14 % pro Jahr, und MTU rechnet mit einem weiteren deutlichen Anstieg bis 2030:

Das Wartungsgeschäft von MTU Aero Engines kommt mit 14 % pro Jahr auf sehr ansehnliche Wachstumsraten. Quelle: ProfitlichSchmidlin AG.

Neben der Wartung von Flugzeugtriebwerken hat die MRO-Abteilung von MTU auch eine bedeutende Position bei der Wartung von industriellen Gasturbinen, die aktuell eine sehr große Nachfrage erfahren, wie wir gerade gesehen haben. MTU erweitert in diesem Geschäftsbereich aktuell seine Kapazität um weitere 30 % wie bei der Vorlage zu den Zahlen zum dritten Quartal kürzlich in einer Telefonkonferenz angegeben wurde:

Maintenance will be carried out at our MTU facility in Berlin, where we are currently investing in a new production center. Over the coming years, we aim to grow our MRO services for industrial gas turbines by around 30%.

Wie lange hält die Knappheit noch an?

Ein Ende der angespannten Lieferketten ist aktuell nicht abzusehen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage weiter an. Der Großteil der Weltbevölkerung hat noch nie in einem Flugzeug gesessen. Die Auftragsbücher von Airbus und Boeing haben 2025 einen neuen Höchststand erreicht:

Auftragsbestand Airbus und Boeing. Quelle: ProfitlichSchmidlin AG.

Dies entspricht einem rechnerischen Auftragsbestand von mehr als zehn Jahren und sichert den stetigen Anstieg der installierten Basis von Flugzeugtriebwerken ab.

Der ProfitlichSchmidlin Fonds erwarb die ersten Aktien von MTU Aero Engines am 27. Juni 2016 zu einem Kurs von 81,93 €. Im laufenden Jahr wird erwartet, dass das Unternehmen nahezu 20 € je Aktie verdient. Die Aktie des Unternehmens notiert inzwischen bei rund 400 €. Die langfristigen fundamentalen Trends in der Branche gekoppelt mit den qualitativen Merkmalen von MTU stimmen uns auch für die nächste Dekade zuversichtlich.